11/2020
Produkte & Wissen

TRACOE ACV: hörbares Beispiel eines Patienten

Sprachlos auf der Intensivstation

Die Intensivmedizin ermöglicht schwerstkranken Menschen das Überleben von Unfällen und Krankheiten. Über 90% der Patienten auf einer operativen Intensivstation werden in ihrer Lungenfunktion maschinell unterstützt [1]. Eine geblockte Tracheostomiekanüle gewährleistet eine gesicherte Beatmung und unterstützt das Sekretmanagement.

 

Im Wachzustand verbringen Menschen in der Regel 61 % ihrer Zeit damit, mit anderen verbal zu kommunizieren [2] – Sprache ist demnach ein ganz zentraler Aspekt des menschlichen Miteinanders und ein grundlegendes Bedürfnis.

 

Bei Patienten mit einer geblockten Tracheostomiekanüle, deren Cuff nicht entblockt werden kann, vor allem unter Beatmung, ist das in der Regel nicht möglich. Befragt nach den Belastungen während der Beatmungszeit geben in einer Studie [3] 58% der Befragten an, dass die Unfähigkeit zu sprechen, das Schlimmste gewesen war. Dies kann zu großer Frustration, Aggressivität bis hin zu Depression führen. Darunter kann die Mitarbeit und Therapiemotivation leiden.

 

Der Patient und sein soziales Umfeld

Die Situation wird als krisenhaft und verstörend empfunden. Sprachlosigkeit herrscht auf beiden Seiten, der Patient kann nicht sprechen, die Angehörigen sind verunsichert. Was ist, wenn Partner von einander Abschied nehmen müssen? Wie äußert der Patient seinen Willen, seine Wünsche? Die Kommunikation durch aufschreiben oder Lippenlesen ist mühselig und die Intimität der Begegnung würde durch Pflegepersonal gestört.

 

Sprache wieder erleben

Oberhalb des geblockten Cuffs, im subglottischen Raum (Jammerecke), sammelt sich Sekret, dass durch die normale Absaugung durch die Kanüle nicht entfernt werden kann. Dieses Sekret ist potentiell kontaminiert und kann zu Infekten führen. Durch Verwendung von Tracheostomiekanülen mit subglottischer Absaugung (wie die TRACOE extract Kanülen), kann dieses Sekret abgesaugt werden und damit Infektionen, wie z. B. Ventilator-Assoziierte Pneumonien (VAP), reduziert werden. [4]

 

Der subglottische Absaugschlauch muss aber nicht nur der Absaugung dienen. In die TRACOE extract Kanülen kann man auch Luft durch den Absaugschlauch oberhalb des geblockten Cuffs einleiten und so den Patienten möglicherweise wieder in die Lage versetzen, zusprechen = ACV.

-> Was genau ist ACV?


Durch die Anwendung der ACV wird es dem Patienten ermöglicht, mithilfe des Luftstroms wieder zu phonieren. Dies beginnt in kleinen Schritten bis hin zum Sprechen. Durch die Möglichkeit, sich wieder mitteilen zu können, entspannt sich der Patienten, und eventuelle Aggressionen werden abgebaut. Möglicher Frustration bei Patient und Pflegepersonal wird entgegengewirkt, und die Motivation und Kooperation gesteigert. [5] Auch wenn es nicht bei jedem Patienten funktioniert, ist es auf jeden Fall einen Versuch wert.

 

Reorientierung und Akzeptanz der Situation steigert die Autonomie und die Selbstfürsorge des Patienten, dazu ist die verbale Kommunikation wie ein goldener Schlüssel. So kann die Resilienz des Patienten wesentlich gestärkt und die Genesung gefördert werden. Dadurch ist der Patient motiviert und kann sich wieder mitteilen. In diesen Situationen ist der Einsatz der ACV-Methode segensreich und autonomiestiftend.

 

Ein subglottischer Flow kann weit mehr

Weitere positive Effekte durch den laryngealen Flow sind die Sensibilisierung im oropharyngealen Bereich. Dadurch können Schluckreflex, Sensorik und das Sekretmanagement positiv beeinflusst werden. Die Initiierung von Schutzmechanismen, z. B. spontane Schluckreflexauslösung, führt zu Clearingbemühungen und Schluckaktivitäten des Patienten, um den supraglottischen Raum zu kontrollieren. Sogar passive oder komatöse Patienten können davon profitieren. [6] Deshalb sollte auf jeden Fall ein ACV-Versuch gestartet werden.

Weitere Informationen:

-> Erfahrungen eines klinischen Logopäden dazu: N.Niers: „Subglottische Luftinsufflation bei tracheotomierten Patienten, ACV: “above cuff vocalisation“ oder „above cuff ventilation“?“
-> Publikation (Englisch):Above Cuff Vocalisation (ACV), M. From et al, Respiratory Therapy, Spring 2020 -p33-36
-> Publikation (Englisch): Above Cuff Vocalisation-A novel technique for communication in the ventilator-dependent tracheostomy patient, McGrath et al, JICS 2016

Bitte verwenden Sie einen anderen Browser

Internet Explorer ist ein veralteter Browser der von uns nicht mehr unterstützt wird. Bitte verwenden Sie einen aktuellen Browser, wie Microsoft Edge, Google Chrome oder Safari, für das beste Website-Erlebnis.

Literatur:

[1] A.-K.Liedtke, Kann der beatmete Patient aktiv kommunizieren? Hallesche Beiträge zu den Gesundheits- und Pflegewissenschaften, 5. Jahrgang, Heft 1, 2006
 [2]Adler RB, Rodman G. Understanding Human Communication. New York: Oxford University Press; 2003.
 [3] Anbeh, T. (2002) Psychologische Aspekte einer Intensivstation. Studie über beatmete Langzeitpatienten. HeWeTra Verlag,Augsburg, 2. Auflage
 [4] KRINKO - Prävention der nosokomialen beatmungsassoziierten Pneumonie, Bundesgesundheitsblatt 2013 –56:1578-1590
 [5] Specialised tracheal tube enables tracheostomised patients to speak, Eggertsen K., Halkjaer R., Schomkel K.; Fag & Forskning 2019; (1): 54-59
 [6] N. Niers,Subglottische Luftinsufflation bei tracheotomierten Patienten, ACV:“above cuffvo-calisation“ oder „above cuff ventilation“? Eine Übersicht mit praktischer Handreichung. Logos, Jg. 27, Ausgabe 2, 2019